Zehn Minuten vor Ende des Abendkurses legte Teacher sechs Wortkarten in einer geraden Reihe auf den Tisch. Der Tee in ihrer Tasse war kalt geworden. Der Tassenrand hielt ein Arbeitsblatt voller deutscher Sätze fest.
Der Lernende am Fenster umklammerte sein Handy. Am nächsten Morgen sollte er seinem Austauschpartner eine Sprachnachricht schicken. Auf dem Display stand bislang nur ein Satz in seiner Muttersprache: „Ich glaube, ich kann ein bisschen Deutsch sprechen.“
„Sag ihn zuerst mir.“ Teacher nahm die Kappe vom roten Stift.
Der Lernende holte Luft.
Ich glaube, dass ich kann ein bisschen Deutsch sprechen.
Als er kann erreichte, senkte sich die Stiftspitze bereits zum Papier. Er sah den roten Punkt. Seine Stimme wurde leiser, und der Rest des Satzes verlor sich im Straßenlärm vor dem Fenster.
„Habe ich es wieder an die falsche Stelle gesetzt?“
Der rote Stift blieb in der Luft stehen. Teacher sah ihn einen Moment lang an und hob die Spitze ein Stück an.
„Sprich erst zu Ende.“
Er startete die Aufnahme erneut. kann stand noch immer in der Mitte, doch diesmal brachte er den Satz bis zum Punkt. Teacher wartete, bis die Wellenform auf dem Display stillstand, und drehte dann die Karten um:
Ich glaube | dass | ich | ein bisschen Deutsch | sprechen | kann
Sie nahm kann von der dritten Position und legte es ganz nach rechts.
„Nach dass steht das konjugierte Verb am Ende. Hier heißt es sprechen kann.“
Der Lernende las die Karten einmal vor und dann noch einmal. Beim zweiten Versuch hielt er nach ein bisschen Deutsch inne und sah auf den roten Stift.
Teacher setzte die Kappe auf und nahm beide Hände vom Tisch.
„Sprechen kann“, fuhr er langsam fort.
Das Heizungsrohr unter dem Fenster klopfte leise. Teacher ließ die sechs Karten liegen und schob ihm nur das Handy zurück.
Die dritte Aufnahme war kurz. Er hörte sie an, den Daumen über Senden.
„Klingt das dumm?“
Teacher stellte den kalten Tee beiseite und machte ihm eine Ecke des Tisches frei.
„Man wird dich verstehen. Schick sie ab.“
Er drückte auf Senden und wickelte den Schal zweimal um den Hals. An der Tür kehrte er noch einmal um und zeigte auf den ersten Satz auf dem Arbeitsblatt.
„Soll ich den durchstreichen?“
Teacher nahm den roten Stift. Auf dem Blatt war kann in die Satzmitte gedrängt, gefolgt von einem langen, hastig geschriebenen Wortschwanz. Die Spitze verharrte über den Buchstaben. Dann zeichnete sie einen kleinen Pfeil über drei Wörter hinweg bis kurz vor den Punkt.
Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, lagen noch sechs Wortkarten auf dem Tisch. Ganz rechts stand kann. Daneben ruhte der rote Stift, fest verschlossen.
Über diese Episode
Diese AlterWorld-Geschichte spielt in einem Deutschkurs am Abend. Teacher ordnet mit sechs Wortkarten den Satz Ich glaube, dass ich ein bisschen Deutsch sprechen kann.. In einem mit dass eingeleiteten Nebensatz steht das konjugierte Verb gewöhnlich am Ende. Hier ist das Modalverb kann; der Infinitiv sprechen steht direkt davor. Die Szene zeigt außerdem eine kleine Entscheidung beim Korrigieren: Der Lernende beendet seinen Satz, bevor Teacher die Karten verschiebt. Lesen Sie die vorige Geschichte über Emos französische Einladung zum Mittagessen, besuchen Sie das deutsche Geschichtenarchiv oder erfahren Sie mehr über das Lesen fremdsprachiger EPUB-Dateien.
Sprachlern-Faden
dassleitet einen deutschen Nebensatz ein und folgt häufig auf Verben des Denkens, Wissens oder Meinens.Ich glaube, dass …führt einen Gedanken oder eine Annahme ein.- In diesem Nebensatz steht der Infinitiv
sprechenvor dem Modalverbkannam Satzende. - Der vollständige Satz lautet
Ich glaube, dass ich ein bisschen Deutsch sprechen kann..